Seit Jahrzehnten suchen Wissenschaftler nach Radiosignalen, die möglicherweise von außerirdischen Zivilisationen stammen könnten. Jetzt erhalten sie Unterstützung durch KI-Agenten. Am Allen Telescope Array in Kalifornien können diese bei der Steuerung der Radioteleskope und bei der Auswertung eingehender Signale helfen. Einen Alien-Anruf hat es allerdings noch nicht gegeben.
Quellen:
https://blogs.nvidia.com/blog/ai-joins-the-search-for-extraterrestrial-signals/
https://gcn.com/ai-agents-steer-seti-telescope/22979/
🔎 Was ist passiert?
Das SETI Institute und die Forschungsinitiative Breakthrough Listen arbeiten daran, die Suche nach außerirdischen technologischen Signalen stärker zu automatisieren.
SETI steht für Search for Extraterrestrial Intelligence – die Suche nach außerirdischer Intelligenz.
Ein wichtiger Standort dafür ist das Allen Telescope Array im Norden Kaliforniens.
Dort stehen zahlreiche Radioteleskope, mit denen Wissenschaftler elektromagnetische Signale aus dem Weltall empfangen.
Die Herausforderung besteht nicht nur darin, mögliche Signale zu entdecken.
Die Teleskope erzeugen enorme Datenmengen, die gefiltert, korrigiert und ausgewertet werden müssen.
Dabei ist es beispielsweise wichtig, Störungen durch irdische Funkquellen oder technische Fehler von interessanten astronomischen Signalen zu unterscheiden.
Bisher erforderten solche Arbeiten häufig verschiedene Programme und zahlreiche manuelle Schritte.
Jetzt sollen KI-Agenten mehrere dieser Aufgaben miteinander verbinden.
Nvidia berichtete am 30. Oktober über eine entsprechende Weiterentwicklung der Beobachtungstechnik.
Das System nutzt unter anderem die Nvidia-Plattform Holoscan, die große Datenströme unmittelbar während der Beobachtung verarbeiten kann.
Eine Software namens Nexus verbindet die verschiedenen Bestandteile der Anlage.
Forscher können damit beispielsweise in natürlicher Sprache einen Arbeitsauftrag formulieren.
Ein KI-Agent kann daraufhin mehrere Schritte vorbereiten oder ausführen: die Teleskopantennen ausrichten, Messdaten überprüfen, Störungen korrigieren und empfangene Signale grafisch darstellen.
Die Wissenschaftler können den Ablauf weiterhin überwachen.
Die beteiligte Hardware soll Datenströme von bis zu 2,4 Terabit pro Sekunde verarbeiten können.
Damit lassen sich bestimmte Auswertungen deutlich schneller durchführen als mit bisherigen Arbeitsabläufen.
Laut Nvidia können Aufgaben, die früher Wochen oder sogar noch länger dauerten, unter geeigneten Bedingungen innerhalb weniger Stunden erledigt werden.
Einen ersten praktischen Erfolg meldeten die Entwickler bereits.
Das System erkannte in Echtzeit ein bekanntes astronomisches Signal aus dem Krebsnebel.
Es stammt von einem Pulsar – einem extrem dichten, schnell rotierenden Überrest eines Sterns, der regelmäßig elektromagnetische Strahlung aussendet.
⚖️ Der Realitätscheck
Ein Pulsar ist selbstverständlich keine außerirdische Zivilisation.
Die erfolgreiche Erkennung zeigt zunächst, dass das System bestimmte astronomische Signale während der laufenden Beobachtung identifizieren kann.
Ein Signal außerirdischer Technologie wurde nicht entdeckt.
Auch die Angaben zur enormen Beschleunigung stammen wesentlich aus der Darstellung des Technologieanbieters Nvidia.
Sie beziehen sich auf bestimmte Arbeitsabläufe und sind nicht als allgemeiner Nachweis zu verstehen, dass jede astronomische Untersuchung künftig in wenigen Stunden abgeschlossen werden kann.
Die eingesetzten KI-Agenten arbeiten außerdem innerhalb einer vorbereiteten technischen Umgebung.
Sie sind keine völlig unabhängigen Forscher, die eigenmächtig wissenschaftliche Entscheidungen treffen.
Der zugrunde liegende Ansatz entstand über einen längeren Zeitraum. Die Mitteilung vom 30. Oktober beschreibt eine weitere Integration der Technik, nicht den erstmaligen Einsatz künstlicher Intelligenz in der SETI-Forschung.
💡 Warum ist das interessant?
Die Suche nach außerirdischer Intelligenz hat ein grundlegendes Problem.
Das Universum ist riesig, und wir wissen nicht, wonach wir genau suchen sollen.
Möglicherweise würden uns technisch entwickelte Zivilisationen ganz andere Signale senden, als wir erwarten.
Andererseits entsteht bereits durch natürliche astronomische Vorgänge eine enorme Vielfalt ungewöhnlicher Radiosignale.
Ein leistungsfähiges KI-System könnte helfen, diese Daten schneller zu untersuchen und interessante Auffälligkeiten für die Wissenschaftler herauszufiltern.
Das ist besonders wichtig, wenn Radioteleskope immer größere Datenmengen erzeugen.
Erst vor wenigen Tagen haben wir über Googles KI-Prozessoren im Erdorbit berichtet.
Dort ging es darum, künstliche Intelligenz selbst im Weltraum zu betreiben.
Beim SETI Institute bleibt die Rechentechnik dagegen zunächst auf der Erde und hilft dabei, immer weiter ins Weltall zu lauschen.
Beide Entwicklungen zeigen, wie selbstverständlich KI inzwischen Teil moderner Raumfahrt- und Astronomieforschung wird.
Und vielleicht steht eines Tages tatsächlich ein ungewöhnliches Signal in den Messdaten.
Bis dahin dürfte die wichtigste Fähigkeit der neuen KI-Agenten allerdings darin bestehen, zuverlässig zwischen interessanter Wissenschaft und gewöhnlichem Funkrauschen zu unterscheiden.
Sonst meldet die künstliche Intelligenz am Ende noch den ersten Kontakt mit Außerirdischen – und es war nur der Funkverkehr eines vorbeifliegenden Flugzeugs. 😉
