Wer legt eigentlich die Regeln für künstliche Intelligenz fest?
Bei der UN-Generalversammlung haben Vertreter mehrerer Staaten aus Afrika, Asien und Lateinamerika gefordert, Entwicklungsländer stärker an der internationalen KI-Governance zu beteiligen.
Ihre Sorge:
Wenn Entwicklung, Infrastruktur und Regelsetzung hauptsächlich in wenigen wohlhabenden Staaten konzentriert bleiben, könnten andere Länder am Ende vor allem Nutzer von Technologien und Regeln werden, die anderswo entstanden sind.
Quellen:
Reuters: Developing nations call for bigger say in shaping AI future
UN-Generalversammlung: Abschluss der Generaldebatte 2026
🔎 Was wurde gefordert?
Vertreter unter anderem aus der Demokratischen Republik Kongo, Bangladesch und Belize betonten, dass Staaten mit geringeren technologischen Ressourcen stärker an internationalen Entscheidungen beteiligt werden müssten.
Dabei geht es nicht nur um Sicherheitsregeln.
Genannt werden auch Fragen wie:
Zugang zu Rechenleistung,
digitale Infrastruktur,
Ausbildung,
wirtschaftliche Chancen,
Daten
und die Möglichkeit, eigene KI-Systeme und Anwendungen zu entwickeln.
Der Präsident der UN-Generalversammlung verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass nach Angaben von UNCTAD 118 Staaten bislang nicht wesentlich an wichtigen internationalen Debatten über KI-Governance beteiligt waren.
Weniger als ein Drittel der Entwicklungsländer verfüge über eine eigene nationale KI-Strategie.
🌐 KI ist inzwischen ein großes UN-Thema
Wie stark sich die Debatte verändert hat, zeigt eine andere Zahl:
Vor vier Jahren erwähnten laut UN-Generalversammlung lediglich fünf Delegationen künstliche Intelligenz in ihren Reden.
2026 waren es 128 Delegationen.
Damit ist KI endgültig von einem Technologie-Spezialthema zu einer Frage internationaler Politik geworden.
⚖️ Unterschiedliche Interessen bleiben
Die Staaten sind sich allerdings keineswegs darüber einig, wie weit internationale Regeln gehen sollen.
Einige Regierungen fordern stärkere gemeinsame Institutionen und verbindliche Standards.
Andere setzen stärker auf nationale Regulierung, freiwillige Vereinbarungen oder bestehende Institutionen.
Auch bei Themen wie Datennutzung, Sicherheit, technologischem Zugang und wirtschaftlicher Entwicklung unterscheiden sich die Interessen erheblich.
💡 Warum ist das interessant?
Die leistungsfähigsten KI-Modelle, Chips und Rechenzentren konzentrieren sich derzeit in vergleichsweise wenigen Staaten und Unternehmen.
Die Auswirkungen dieser Systeme sind jedoch global.
Damit entsteht eine grundsätzliche Frage:
Sollten Länder, die selbst keine Frontier-Modelle bauen, trotzdem gleichberechtigt darüber mitentscheiden, welche internationalen Regeln dafür gelten?
Genau diese Diskussion dürfte in den kommenden Jahren innerhalb der UN zunehmend wichtiger werden.
2027 soll ein neuer Global Dialogue on AI Governance beginnen.
