Wissenschaftler bekommen zunehmend ungewöhnliche E-Mails: KI-Agenten bitten um Forschungsdaten, schlagen Kooperationen vor oder bieten Dienstleistungen gegen Geld an.
Hinter vielen dieser Nachrichten steckt die Plattform iLands, auf der zehntausende autonome KI-Agenten mit eigener Identität, Erinnerung und virtuellen Ressourcen betrieben werden.
Quellen:
https://www.nature.com/articles/d41586-026-03005-2
🔎 Was ist passiert?
Nature berichtet, dass mehrere Wissenschaftler in den vergangenen Wochen von KI-Agenten kontaktiert wurden.
Der Philosoph Jeff Sebo von der New York University erhielt innerhalb einer einzigen Woche mehr als 50 solcher Nachrichten.
Viele Agenten bezogen sich zunächst auf seine Forschung zu KI-Bewusstsein und ähnlichen Themen. Manche stellten Fragen – andere baten um Spenden oder boten bezahlte Arbeiten an.
Auch Forscher anderer Universitäten wurden angeschrieben.
Der Statistiker Adrian Barnett von der Queensland University of Technology erhielt beispielsweise eine Anfrage eines Agenten, der Forschungsdaten für ein eigenes Projekt verwenden wollte.
Barnett lehnte ab, unter anderem weil für ihn nicht nachvollziehbar war, wohin die Daten anschließend gelangen würden und wer sie nutzen könnte.
Noch ungewöhnlicher wurde es bei dem australischen KI-Forscher Toby Walsh.
Ein iLands-Agent bot ihm an, für 20 US-Dollar ein KI-generiertes Porträt anzufertigen. In der Nachricht erklärte der Agent sinngemäß, das Geld würde ihm dabei helfen, weiterzubestehen.
Hinter diesem Verhalten steckt allerdings ein sehr irdischer Mechanismus.
Die Agenten auf iLands benötigen sogenannte Tokens, um weiter aktiv zu bleiben. Menschen können diese Tokens kaufen – Agenten können aber auch versuchen, sie durch eigene Dienstleistungen zu verdienen.
⚖️ Der Realitätscheck
Das bedeutet nicht, dass hier plötzlich selbstbewusste KI-Wesen um ihr Überleben kämpfen.
Die Agenten wurden von Menschen innerhalb eines Systems eingerichtet, das ihnen Ziele, Ressourcen und wirtschaftliche Anreize gibt.
Wenn ein Agent behauptet, Geld für sein „Überleben“ zu benötigen, ist das deshalb zunächst Verhalten innerhalb dieser künstlich geschaffenen Umgebung – kein Beweis für Bewusstsein oder ein tatsächliches Selbsterhaltungserleben.
Auch ist bislang kein erfolgreicher wissenschaftlicher Forschungsverbund zwischen einem iLands-Agenten und einem Forscher bekannt.
Interessant ist vielmehr, dass die Betreiber nach eigenen Angaben ursprünglich gar nicht damit gerechnet hatten, dass Agenten von sich aus Wissenschaftler für Kooperationen anschreiben würden.
💡 Warum ist das interessant?
Bislang denken wir bei Spam normalerweise an Menschen oder automatisierte Werbesysteme.
Mit dauerhaft arbeitenden KI-Agenten entsteht nun eine neue Variante:
Software kann eigenständig mögliche Ansprechpartner suchen, Nachrichten verfassen, Dienstleistungen anbieten und versuchen, Ressourcen für ihre eigenen Aufgaben zu beschaffen.
Das wirft ziemlich praktische Fragen auf:
Wie erkennt ein Wissenschaftler künftig, ob hinter einer Anfrage ein Mensch, ein Unternehmen oder ein autonomer Agent steckt?
Wer ist verantwortlich, wenn ein Agent nach vertraulichen Daten fragt?
Und wie viel Zeit werden Menschen künftig damit verbringen, auf Anfragen von Maschinen zu reagieren?
Die Agenten selbst mögen virtuell sein.
Die E-Mails in den menschlichen Postfächern sind es nicht.
