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KI zwischen Schlagzeile, Forschung und Wirklichkeit

Ein kuratierter Blick auf die Welt
der künstlichen Intelligenz

🚫 Das Internet macht dicht: Immer mehr Websites sperren KI-Agenten aus

Künstliche Intelligenz soll künftig selbstständig einkaufen, Reisen buchen und alltägliche Aufgaben erledigen. Doch ausgerechnet jetzt schließen immer mehr große Internetunternehmen ihre Türen für solche digitalen Assistenten. Darunter sind bekannte Namen wie Amazon, Yelp und Delta Air Lines.

Quellen:
https://www.theverge.com/ai-artificial-intelligence/1013195/ai-agents-blocked-web

https://law.justia.com/cases/federal/appellate-courts/ca9/26-1444/26-1444-2026-08-04.html

🔎 Was ist passiert?

Immer mehr Unternehmen schränken den Zugriff automatisierter KI-Systeme auf ihre Websites ein.

Besonders interessant ist dabei Amazon.

Der Onlinehändler geht gegen nicht autorisierte KI-Einkaufsagenten vor. Besonders deutlich wird der Konflikt im Rechtsstreit mit dem KI-Unternehmen Perplexity, dessen Comet-Assistent im Auftrag von Kunden auf Amazon einkaufen kann.

Ein Gericht untersagte diesen Zugriff zunächst per einstweiliger Verfügung. Doch im August 2026 hob ein amerikanisches Berufungsgericht die Verfügung wieder auf. Nach Auffassung der Richter war bei den hier untersuchten Zugriffen der Kunde derjenige, der Amazons Systeme mithilfe des KI-Assistenten verwendete – nicht Perplexity selbst. Damit konnte Amazon die Voraussetzungen für die einstweilige Verfügung nach den herangezogenen Computerzugriffsgesetzen nicht hinreichend belegen.

Der Rechtsstreit ist damit nicht endgültig entschieden. Er zeigt aber, dass die Grenzen zwischen erlaubter Automatisierung und unerwünschtem Zugriff auch rechtlich noch ausgehandelt werden.

Darf eine Website ihren Kunden vorschreiben, dass sie bestimmte Aufgaben nicht von einer KI erledigen lassen dürfen?

Auch andere große Unternehmen ziehen Grenzen. Yelp möchte bestimmte Zugriffe auf seine Daten nur noch über kostenpflichtige Lizenzen ermöglichen. Unternehmen wie Delta Air Lines, JPMorgan Chase und Charles Schwab begründen Einschränkungen unter anderem mit Sicherheitsbedenken.

Und selbst dort, wo KI-Agenten nicht ausdrücklich verboten sind, können sie an technischen Schutzmechanismen scheitern. Systeme zur Abwehr automatisierter Bots erkennen nicht unbedingt, ob gerade ein unerwünschter Datensammler oder ein legitimer digitaler Assistent auf eine Website zugreifen möchte.

⚖️ Der Realitätscheck

Hier müssen wir zunächst drei unterschiedliche Dinge auseinanderhalten.

KI-Crawler durchsuchen Websites systematisch, beispielsweise um Informationen für Suchmaschinen oder Trainingsdaten zu sammeln.

KI-Agenten sollen dagegen konkrete Aufgaben erledigen. Ein Nutzer könnte seinem Agenten beispielsweise sagen: „Suche mir den günstigsten Flug nach Rom und buche ihn.“

Und dann gibt es noch autorisierte Schnittstellen wie APIs oder MCP-Verbindungen.

Darüber können KI-Systeme auf ausdrücklich freigegebene Funktionen zugreifen. Die Betreiber legen fest, welche Daten und Aktionen zugänglich sind und welche Berechtigungen benötigt werden.

Eine solche Schnittstelle ist allerdings kein allgemeiner Freifahrtschein. Sie funktioniert nur dort, wo der jeweilige Anbieter den entsprechenden Zugang tatsächlich ermöglicht.

Ein KI-Agent, der über eine autorisierte Schnittstelle arbeitet, ist technisch und organisatorisch etwas anderes als ein Agent, der versucht, eine normale Website wie ein menschlicher Besucher zu bedienen.

Die aktuellen Einschränkungen betreffen vor allem unerwünschte automatisierte Zugriffe. Das bedeutet nicht, dass die Unternehmen grundsätzlich jede Form von KI-Nutzung ablehnen.

Und die Betreiber haben durchaus nachvollziehbare Gründe. Automatisierte Systeme können erhebliche Serverlast verursachen, Sicherheitsmechanismen umgehen oder Daten wirtschaftlich verwerten, ohne dass der Anbieter daran beteiligt wird. Bei Banken und anderen sensiblen Diensten kommen Risiken durch automatisierte Aktionen hinzu.

💡 Warum ist das interessant?

Das eigentlich Spannende ist der Widerspruch, der sich hier entwickelt.

Die KI-Branche arbeitet mit Hochdruck an autonomen Agenten, die uns möglichst viel Arbeit abnehmen sollen.

Statt selbst fünf Shops zu durchsuchen, Preise zu vergleichen und Bestellungen aufzugeben, erledigt das künftig ein digitaler Assistent.

Doch was passiert, wenn der Assistent zwar alles könnte, aber die Websites ihn nicht hineinlassen?

Wir haben bereits Anfang Oktober über eine verwandte Entwicklung berichtet.

Damals kündigte Reddit an, seinen RSS-Zugang zum 13. November 2026 einzustellen und den öffentlichen API-Zugriff weiter einzuschränken. Hintergrund waren unter anderem automatisiertes Massenscraping und die wirtschaftliche Verwertung der Plattformdaten.

👉 Reddit schaltet RSS ab – wegen KI-Bots und Massenscraping

Damals stand vor allem die Frage im Mittelpunkt, wer öffentlich zugängliche Informationen sammeln und verwerten darf.

Jetzt geht die Entwicklung einen Schritt weiter. Es geht zunehmend darum, wer das Internet überhaupt automatisiert benutzen darf.

Möglicherweise entsteht dadurch ein Internet mit zwei unterschiedlichen Zugangswegen: einer für Menschen, die Websites direkt besuchen, und einer für KI-Agenten, die nur über ausdrücklich erlaubte Schnittstellen und Partnerschaften handeln dürfen.

Das könnte funktionieren. Es könnte aber auch dazu führen, dass vor allem große KI-Anbieter mit entsprechenden Verträgen Zugang erhalten, während kleinere Entwickler und unabhängige Systeme draußen bleiben.

Noch ist diese Entwicklung keineswegs abgeschlossen. Aber eine grundlegende Frage zeichnet sich bereits ab:

Wenn KI-Agenten künftig für uns im Internet handeln sollen – wer entscheidet dann eigentlich, welche Türen sie öffnen dürfen?



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