Texas erhebt schwere Vorwürfe gegen OpenAI und Sam Altman: ChatGPT sei als sicher und zuverlässig vermarktet worden, obwohl Risiken bekannt gewesen seien. Die Klage verbindet Verbraucherschutz und Minderjährigenschutz mit Forderungen, die weit in die Produktentwicklung eingreifen könnten.
Quellen:
https://www.texasattorneygeneral.gov/sites/default/files/images/press/OpenAI%20Final.pdf
https://www.texastribune.org/2026/10/23/ken-paxton-chatgpt-openai-lawsuit-texas-attorney-general/
🔎 Was ist passiert?
Der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton hat am 23. Oktober im Collin County eine Zivilklage gegen mehrere OpenAI-Gesellschaften und CEO Sam Altman eingereicht. Texas beruft sich unter anderem auf den staatlichen Deceptive Trade Practices Act und auf Vorgaben des SCOPE Act zum Schutz Minderjähriger im Internet.
Die Klageschrift behauptet, OpenAI habe ChatGPT sicherer und verlässlicher dargestellt, als es tatsächlich sei. Sie führt Berichte über falsche oder schädliche Antworten, Selbstgefährdung, Gewalt, emotionale Abhängigkeit und die Verarbeitung von Daten Minderjähriger an. Zudem wirft Texas dem Unternehmen unzureichende Altersprüfung, elterliche Kontrolle und Warnhinweise vor.
Texas verlangt Geldzahlungen und weitreichende gerichtliche Auflagen. Dazu gehören nach der Klageschrift unter anderem Beschränkungen für den Zugang Minderjähriger sowie eine Prüfung neuer Modelle durch einen gerichtlich bestellten unabhängigen Gutachter, bevor sie texanischen Nutzern angeboten werden.
⚖️ Der Realitätscheck
Das sind Vorwürfe einer frisch eingereichten Klage, keine gerichtlichen Feststellungen. Bislang gibt es weder ein Urteil noch eine gemeldete Anhörung oder angeordnete Sperre. Einige der angeführten Schäden stammen aus Berichten, Studien und anderen Verfahren; Texas muss seine konkreten Rechts- und Tatsachenbehauptungen erst beweisen.
OpenAI erklärte gegenüber der Texas Tribune, man habe mit Fachleuten an zusätzlichen Schutzmaßnahmen gearbeitet. Regierungen sollten robuste Sicherheitsstandards setzen; solche Regeln müssten nach Auffassung des Unternehmens jedoch für die gesamte KI-Branche gelten und nicht nur für ein einzelnes Unternehmen.
Auch der politische und wirtschaftliche Kontext gehört zur Einordnung. Paxton kandidiert für den US-Senat. Die Texas Tribune berichtet, dass Elon Musk – OpenAI-Rivale, xAI-Eigentümer und früherer OpenAI-Mitgründer – der größte einzelne Geldgeber hinter Paxtons Kampagne ist. Das beweist keine unzulässige Motivation, macht mögliche Interessen aber berichtenswert. Inhaltlich steht die Klage außerdem neben ähnlichen Verfahren anderer US-Bundesstaaten.
💡 Warum ist das interessant?
Das Verfahren versucht, allgemeine KI-Risiken über bestehendes Verbraucher- und Jugendschutzrecht greifbar zu machen. Wenn Gerichte dieser Linie folgen, könnten Alterskontrollen, Produktwarnungen, Datensparsamkeit und unabhängige Sicherheitsprüfungen nicht nur freiwillige Funktionen, sondern rechtlich erzwingbare Pflichten werden.
Die Forderungen sind zugleich ungewöhnlich weit. Eine externe Freigabe neuer Modelle oder ein Ausschluss Minderjähriger in einem einzelnen Bundesstaat würde technische, rechtliche und wirtschaftliche Fragen aufwerfen. Vorerst ist die Klage deshalb vor allem ein ernstes juristisches Signal – noch keine neue Rechtslage.
