Künstliche Intelligenz dürfte auch in Russland zunehmend zu einer Frage der Energieversorgung werden.
Nach einer Prognose der Nationalen Ratingagentur soll der Stromverbrauch russischer Rechenzentren bis 2030 um 76 Prozent steigen.
Rund 70 Prozent dieses zusätzlichen Verbrauchs könnten allein auf KI-Anwendungen entfallen.
Quelle:
Kommersant: ИИ обеспечит около 70% прироста энергопотребления дата-центров в России
🔎 Die Zahlen
Für 2025 wird der Stromverbrauch russischer Rechenzentren auf insgesamt knapp 15 Milliarden Kilowattstunden geschätzt.
Bis 2030 sollen daraus etwa 26,2 Milliarden kWh werden.
Besonders stark wächst laut Prognose der KI-Anteil:
2025: 2,6 Milliarden kWh
2030: 10,5 Milliarden kWh
Damit würde sich der Energiebedarf für KI-Anwendungen innerhalb von fünf Jahren ungefähr vervierfachen.
Andere Bereiche wachsen deutlich langsamer.
🏭 Erst der Strom – dann der Standort
Interessant ist auch, wie sich dadurch die Standortentscheidung für neue Rechenzentren verändert.
Nach Angaben von Marktteilnehmern wird bei großen Projekten zunehmend zuerst gefragt:
Wo bekomme ich überhaupt rechtzeitig genügend Megawatt?
Erst danach folgen Faktoren wie Nähe zum Nutzer oder Strompreis.
Als mögliche neue Standorte werden unter anderem St. Petersburg, der Ural und Sibirien genannt.
Gerade für KI-Rechenzentren ist eine größere Entfernung zum Endnutzer häufig weniger problematisch als bei besonders latenzkritischen Diensten.
⚖️ Der Realitätscheck
Die Zahlen sind Prognosen der Nationalen Ratingagentur, keine feststehenden Verbrauchswerte für 2030.
Auch die erwartete geografische Verlagerung großer Rechenzentren wird von russischen Marktteilnehmern teilweise vorsichtiger eingeschätzt.
Andere Prognosen zum russischen Rechenzentrumsmarkt kommen zudem zu etwas anderen Annahmen über den zukünftigen KI-Anteil.
Die genaue Entwicklung hängt stark davon ab, wie schnell tatsächlich neue Rechenleistung aufgebaut wird.
💡 Warum ist das interessant?
Die Meldung passt in ein Muster, das inzwischen weltweit sichtbar wird.
Ob USA, China oder Russland:
Beim Ausbau großer KI-Systeme wird nicht mehr nur über Chips gesprochen.
Stromversorgung wird selbst zu einem Standortfaktor der KI-Industrie.
Die entscheidende Ressource für das nächste Rechenzentrum ist möglicherweise irgendwann nicht mehr zuerst das Grundstück oder der Glasfaseranschluss – sondern ein paar hundert verfügbare Megawatt.
