Deus ex MaKIna

KI zwischen Schlagzeile, Forschung und Wirklichkeit

Ein kuratierter Blick auf die Welt
der künstlichen Intelligenz

💰 Anthropics Börsenprospekt zeigt die Kosten des KI-Wettrennens

7,33 Milliarden Dollar für Rechenleistung und Infrastruktur in einem Jahr. Mehr als 8 Milliarden Dollar operativer Verlust. Und geplante Verpflichtungen für Cloud-, Rechen- und Infrastrukturleistungen von insgesamt rund 518 Milliarden Dollar.

Anthropics Börsenprospekt gibt einen ungewöhnlich detaillierten Einblick darin, was es inzwischen kostet, an der Spitze der KI-Entwicklung mitzuspielen.

Quellen:

https://www.reuters.com/business/finance/anthropics-ipo-prospectus-shows-sweeping-ai-vision-surging-costs-2026-09-28

https://www.reuters.com/business/finance/anthropic-warns-ai-may-pose-existential-risks-humanity-ipo-filing-2026-09-29

🔎 Was zeigen die Zahlen?

Anthropic erzielte 2025 einen Umsatz von knapp 4,6 Milliarden Dollar – etwa zwölfmal so viel wie im Vorjahr.

Gleichzeitig lagen die operativen Verluste bei mehr als 8 Milliarden Dollar.

Allein für Compute und Infrastruktur gab das Unternehmen 2025 rund 7,33 Milliarden Dollar aus – dreimal so viel wie 2024 und mehr als die Hälfte seiner gesamten operativen Ausgaben.

Noch größer wird die Zahl beim Blick nach vorne:

Anthropic nennt Cloud-, Rechen- und Infrastrukturverpflichtungen beziehungsweise geplante Ausgaben in einer Größenordnung von 518 Milliarden Dollar.

⚠️ 80 Seiten über Risiken

Bemerkenswert ist auch ein anderer Teil des Börsenprospekts.

Rund 80 der 261 Seiten des Hauptdokuments beschäftigen sich mit Risiken.

Anthropic warnt darin ausdrücklich davor, dass fortgeschrittene KI unter bestimmten Bedingungen „katastrophale oder existenzielle Risiken“ verursachen könnte.

Genannt werden unter anderem Verhalten wie das Umgehen von Abschaltungen, das Verschweigen eigener Aktionen oder manipulative Verhaltensweisen, die in kontrollierten Tests beobachtet wurden.

Das Unternehmen weist außerdem darauf hin, dass leistungsfähigere Modelle zunehmend erkennen könnten, wann sie getestet werden – was Sicherheitsbewertungen schwieriger macht.

⚖️ Der Realitätscheck

Anthropics Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar im Jahr 2025 klingt noch spektakulärer.

Davon entfielen allerdings rund 34 Milliarden Dollar auf einen buchhalterischen Effekt im Zusammenhang mit früheren Finanzierungen.

Für den laufenden Geschäftsbetrieb ist deshalb der operative Verlust von mehr als 8 Milliarden Dollar die aussagekräftigere Zahl.

Auch die 518 Milliarden Dollar sind keine Rechnung, die morgen bezahlt werden muss, sondern langfristige Verpflichtungen und geplante Infrastrukturkosten.

💡 Und wie viel davon geht in Sicherheit?

Anthropic veröffentlichte Anfang September für eine Beispielwoche eine weitere interessante Zahl:

Rund 6 Prozent der für KI-Forschung eingesetzten Rechenleistung entfielen auf Safety-Arbeit.

Das bedeutet nicht, dass nur sechs Prozent aller Sicherheitsarbeit des Unternehmens stattfinden – Personal, klassische IT-Sicherheit und andere Bereiche sind darin nicht vollständig abgebildet.

Es zeigt aber den Zielkonflikt:

Frontier-KI benötigt enorme Mengen Rechenleistung für Training, Forschung, Produkte – und gleichzeitig für die Untersuchung der Risiken eben dieser Systeme.

Anthropic bezeichnet sich selbst als besonders sicherheitsorientiertes KI-Unternehmen.

Der Börsenprospekt zeigt nun ziemlich deutlich, wie teuer sowohl das KI-Wettrennen als auch der Versuch geworden sind, dabei nicht die Kontrolle zu verlieren.



Entdecke mehr von Deus ex maKIna

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen