Bisher arbeiten KI-Agenten vor allem in der digitalen Welt: Sie durchsuchen das Netz, schreiben Programme, bearbeiten Dateien oder bedienen Software.
Anthropic geht nun einen entscheidenden Schritt weiter: KI-Agenten sollen reale GerÀte in Laboren und Fabriken steuern können.
DafĂŒr hat das Unternehmen den sogenannten âModel Hardware Standardâ â kurz MHS â vorgestellt.
đ Zum Artikel bei DER STANDARD
đ Was ist passiert?
MHS ist vereinfacht gesagt eine gemeinsame Schnittstelle zwischen KI und physischen GerÀten.
Damit können KI-Agenten beispielsweise Mikroskope, Pipettierroboter, MessgerÀte, Roboterarme oder sogar Lasersysteme an Quantencomputern bedienen.
Und es geht um mehr als einfaches Ein- und Ausschalten.
Ein Agent kann mehrere GerĂ€te koordinieren, einen Arbeitsablauf Schritt fĂŒr Schritt durchfĂŒhren, Messwerte auswerten, Parameter wĂ€hrend eines Experiments verĂ€ndern und in bestimmten FĂ€llen sogar selbststĂ€ndig auf Hardwarefehler reagieren.
Anthropics Ziel sind unter anderem weitgehend automatisierte Labore, in denen Experimente rund um die Uhr laufen können.
âïž Warum ist das interessant?
Bislang mĂŒssen unterschiedliche Labor- oder Industriemaschinen hĂ€ufig mit speziell entwickelter Software miteinander verbunden werden. Das kann Wochen oder sogar Monate dauern.
MHS soll daraus einen gemeinsamen Standard machen: Ein bislang unbekanntes GerĂ€t beschreibt gegenĂŒber der KI gewissermaĂen, was es kann, welche Werte sie auslesen darf und welche Einstellungen verĂ€ndert werden können.
Aus Wochen Integrationsarbeit könnten laut Anthropic dadurch teilweise Stunden oder Minuten werden.
âïž Der RealitĂ€tscheck
Claude lĂ€uft jetzt nicht selbststĂ€ndig durch ein Labor und experimentiert nach Lust und Laune. đ
MHS befindet sich zunĂ€chst in einer begrenzten Forschungsphase mit ausgewĂ€hlten Partnern. AuĂerdem rĂ€umt Anthropic selbst ein, dass heutige Sprachmodelle noch deutliche SchwĂ€chen beim rĂ€umlichen und physikalischen VerstĂ€ndnis haben.
Menschliche Fachaufsicht bleibt deshalb notwendig.
Nach weiteren Sicherheitstests soll der Standard spÀter als Open Source veröffentlicht werden.
đŻ Das eigentlich Spannende
KI bekommt dadurch nicht plötzlich einen eigenen Körper.
Aber die Grenze zwischen digitaler und physischer Welt wird durchlÀssiger.
Ein KI-Agent, der einen Computer bedienen kann, ist interessant.
Ein KI-Agent, der ĂŒber denselben Computer einen Roboterarm bewegt, ein Mikroskop einstellt, einen Versuch durchfĂŒhrt und auf dessen Ergebnis reagiert, ist eine andere GröĂenordnung.
Vielleicht beginnt âPhysical AIâ deshalb gar nicht mit dem humanoiden Roboter, der irgendwann bei uns durch die Wohnung lĂ€uft.
Vielleicht beginnt sie viel unspektakulÀrer:
Damit, dass KI lernt, Maschinen zu benutzen.
